Sozialdemokratie, Gewerkschaften und organisierter Kapitalismus, 1880 - 2002

Höpner, Martin

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URL http://edoc.vifapol.de/opus/volltexte/2007/76/
Dokumentart: Bericht / Forschungsbericht / Abhandlung
Institut: MPIfG - Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung
Schriftenreihe: MPIFG discussion paper
Bandnummer: 2004,10
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 23.11.2007
SWD-Schlagwörter: Sozialdemokratie , Organisierter Kapitalismus , Wettbewerbspolitik
DDC-Sachgruppe: Politik
Sondersammelgebiete: 3.6 Politik und Friedensforschung

Kurzfassung auf Deutsch:

In diesem Beitrag werden Ursprünge und Entwicklung der sozialdemokratischen Präferenz für die Liberalisierung der Unternehmenskontrolle diskutiert. Es wird gezeigt, dass die Vorliebe für Wettbewerbspolitik in den Bereich der vorstrategischen, fundamentalen Präferenzen fällt. Der organisierte Kapitalismus, hier verstanden als Begrenzung des Wettbewerbs durch Unternehmenskooperation und -koordination, Delegation von Entscheidungsbefugnissen an Kartelle oder Unternehmensnetzwerke und damit verbundene Durchdringung der Unternehmen mit über die Einzelwirtschaft hinausweisenden Perspektiven, hat sich in Deutschland etwa ab den 1880er-Jahren herausgebildet. Organisation durch Kartelle galt bereits in der Arbeiterbewegung des Kaiserreichs als reifste Form des Kapitalismus. Während der zweiten Hälfte der Weimarer Republik wurde kapitalistische Organisation durchweg als dem Konkurrenzkapitalismus überlegene, kapitalistische Anarchie durch sozialistische Prinzipien ergänzende, das Kapital zivilisierende Wirtschaftsform interpretiert. Der Nationalsozialismus löste einen eruptiven Präferenzwechsel in der Arbeiterbewegung aus. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, vollendet durch die Godesberger und Düsseldorfer Programme, bildete sich die sozialdemokratische und gewerkschaftliche Präferenz für Wettbewerbspolitik heraus, in deren Tradition die liberale Haltung von SPD und Gewerkschaften während der Reformen der Unternehmenskontrolle der späten 1990er und frühen 2000er-Jahre stand.

Kurzfassung auf Englisch:

This article discusses the roots and the development of the Social Democratic preference for corporate governance liberalization. I show that the preference for competition is a pre-strategic, fundamental preference. German organized capitalism, in the sense of competition-limiting company cooperation and coordination, cartels and interlocking ownership, and companies’ penetration with meso and macro perspectives, rooted in the 1880s. Already in the Kaiserreich, the labor movement interpreted the cartelized economy as the ripest form of capitalism. During the second half of the Weimar Republic, organized capitalism was seen as being superior to competition, as adding socialist principles to a capitalist economy, and as civilizing capitalism. National Socialism caused an eruptive preference change. After world war II, completed by the Godesberg and Düsseldorf manifestos, a preference for competition policy emerged. The relatively liberal SPD and trade union attitudes towards corporate governance reforms in the late 1990s and the early 2000s stand in this tradition.


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