Diskutieren in der frühen Bundesrepublik : Zur Kulturgeschichte des "besseren Arguments" zwischen Re-education und Studentenbewegung

Verheyen, Nina

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URL http://edoc.vifapol.de/opus/volltexte/2009/1553/
Dokumentart: Bericht / Forschungsbericht / Abhandlung
Institut: WZB Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Schriftenreihe: Veröffentlichung der Arbeitsgruppe "Zivilgesellschaft Historisch-Sozialwissenschaftliche Perspektiven" des Forschungsschwerpunkts Zivilgesellschaft, Konflikte und Demokratie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung
Bandnummer: 2003, 504
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 15.07.2009
Originalveröffentlichung: http://bibliothek.wzb.eu/pdf/2003/iv03-504.pdf (2003)
DDC-Sachgruppe: Politik
BK - Basisklassifikation: 15.43 (Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts), 89.62 (Politische Bewegungen)
Sondersammelgebiete: 3.6 Politik und Friedensforschung

Kurzfassung auf Deutsch:

Das Paper untersucht die frühe Bundesrepublik in kommunikationsgeschichtlicher Perspektive und historisiert Annahmen über dialogisch-rationale Kommunikation, die dem Konzept der Zivilgesellschaft als normative Prämisse eingeschrieben sind. Ausgehend von der westdeutschen Studentenbewegung der sechziger Jahre wird argumentiert, daß das alltägliche Vertrauen in die Gesprächsform „Diskussion“ als vermeintlich dialogisch-rationaler Handlungsmodus historisch variabel ist und sich die Praxis alltäglichen „Diskutierens“ im Spannungsfeld von überhöhten Erwartungen an und ernüchternden Erfahrungen mit Kommunikation verändert hat. Vermutet wird, daß regelgestützte Diskussionen (z.B. Podiums, Fernseh- und Kommunediskussionen) von den vierziger bis in die siebziger Jahre in der westdeutschen Gesellschaft insgesamt eine sukzessive Aufwertung und Institutionalisierung erfuhren. Dieser Prozeß war von Brüchen, Gegenläufigkeiten und Ambivalenzen gekennzeichnet. Er wurde eventuell in der Nachkriegszeit durch die alliierte Politik der „Re-education“ angestoßen, erreichte im Umfeld der Studentenbewegung der sechziger Jahre einen konfliktträchtigen Höhepunkt und verweist nicht zuletzt auf die Amerikanisierung der bundesrepublikanischen Gesellschaft.

Kurzfassung auf Englisch:

This paper explores the early Federal Republic of Germany through the lens of communication history and historicizes assumptions regarding dialogic, rational communication that are inscribed as normative premises in the concept of civil society. Starting from the West German student movement of the sixties, it is argued that everyday confidence in the conversational form “discussion” as a supposed dialogic, rational mode of interaction is historically variable and that the everyday practice of “discussing” has changed within the tensions that exist between inflated expectations of communication and actual experiences with communication. It is presumed that discussions shaped by guidelines (e.g. podium, television and community discussions) experienced an overall successive increase in significance and institutionalization from the forties into the seventies in West German society. This process was characterized by gaps, counter-tendencies and ambivalences. It was eventually prompted by the allies’ policy of “re-education” in the post-war era, reached a conflictridden climax with the student movement during the sixties and, last but not least, points to the Americanization of West German society.


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