Auf den Spuren der „Solidarnosc“. Auslöser der Transformationsprozesse in Mittel- und Osteuropa? Internationaler Workshop des Studienwerks der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Gdansk/Polen 2006

Ristow, Robert (Hrsg.)

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URL http://edoc.vifapol.de/opus/volltexte/2009/862/
Dokumentart: Bericht / Forschungsbericht / Abhandlung
Institut: Rosa-Luxemburg-Stiftung
Schriftenreihe: Manuskripte // RLS, Rosa-Luxemburg-Stiftung
Bandnummer: 68
ISBN: 978-3-320-02108-5
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 13.03.2009
DDC-Sachgruppe: Politik
BK - Basisklassifikation: 89.39 (Politische Systeme: Sonstiges), 89.50 (Politische Prozesse: Allgemeines)
Sondersammelgebiete: 3.6 Politik und Friedensforschung

Kurzfassung auf Deutsch:

Inhalt Einleitung I. Grundlagen der Europäischen Union und Entwicklungen in Polen TOBIAS BAUMANN: Die europäische Großindustrie wider die Löhne – eine Konstante in der Geschichte der europäischen Einigung von 1926 – 2006 ZBIGNIEW MARCIN KOWALEWSKI: Polens Arbeiter im abhängigen Kapitalismus DANIEL KRYŚ: Polens Linke – Quo vadis? II. Die Rolle von Gewerkschaften und der katholischen Kirche in den Transformationsprozessen Mittel- und Osteuropas RENÉ LENZ: Gewerkschaften in Polen. Von der Massenbewegung zur parteiischen Interessenvertretung JANE ANGERJÄRV: Entwicklung der Gewerkschaften in Estland ANTJE LIEBAU: Die Rolle der polnischen katholischen Kirche im Spannungsverhältnis von Staat und demokratischer Opposition III. Auswirkungen der Transformation PIOTR SZUMLEWICZ: Katastrophe auf dem Arbeitsmarkt LUKASZ CHOLEWA: Die Situation der Frauen in Polen seit 1989 MARIA ANTONOVA: The Decline of Russia’s Beef Sector during the Transition Period: A Review of Agricultural Policies IV. Berichte von Stipendiat/innen MARCEL NOACK: Stadtführung Gdańsk und Ausflug zur „Westerplatte“ VIOLA PRÜSCHENK: Tag der Kontraste: Besuche in Frombork und Stutthof Einleitung Die in diesem Band zusammengestellten Aufsätze gehen auf Referate und Protokolle im Rahmen eines Workshops zurück, den das Studienwerk der Rosa Luxemburg Stiftung im August 2006 in Gdańsk/Polen durchführte. Dieser Workshop stellte den dritten seiner Art in Polen dar; wie zuvor in Krakόw und Łόdź thematisierte auch dieser Workshop die Auswirkungen der Transformationsprozesse in Polen. Während in den beiden vorangegangenen Jahren im wesentlichen die Auswirkungen des einschneidenden Rückgangs in der Schwerindustrie/Bergbau (Krakόw) bzw. des Zusammenbruchs der Textilindustrie (Łodź) im Mittelpunkt standen, haben wir uns mit diesem Workshop auf Spurensuche begeben. Wir besichtigten die ehemalige Lenin-Werft in Gdańsk, auf der sich die Gewerkschaft „Solidarność“ unter Lech Walensa gründete und die heute das Museum der „Solidarność“ beherbergt, wir haben den auf einen Bruchteil seiner ursprünglichen Größe geschrumpften Schiffbau auf der Werft besichtigt und haben mit Gewerkschaftern unterschiedlicher Gewerkschaften sowie Mitgliedern des Parlaments in Gdańsk über Polens Vergangenheit und Zukunft diskutiert. In den anschließenden Seminarteilen des Workshops wurden unterschiedliche Aspekte der Transformationsprozesse in Polen, aber auch in anderen Teilen (Ost)Europas vertieft, haben die Teilnehmer/innen des Workshops auch mit Vertreter/innen aus Politik, Wissenschaft und Politischer Bildung Polens diskutiert. Begleitet wurden die Seminarblöcke durch Exkursionen, die uns an historisch relevante Orte der polnischen und europäischen Geschichte führte und durch Führungen nahe brachte. Hier sei eine Exkursion zur Westerplatte genannt, an der die deutsche Expansion im II. Weltkrieg – wenn auch nur für wenige Tage – stockte. Eine Führung durch das Konzentrationslager Stutthof, das das erste seiner Art und zugleich das letzte war, das befreit wurde, machte uns die unmenschliche Vernichtungspolitik der Nazis deutlich. Zuletzt hat uns eine Exkursion an die Wirkungsstätte Kopernikus’ in Frombork geführt, wo er im hiesigen Kloster seine berühmten Pendelexperimente unternahm und wo eine Ausstellung Auskunft über sein Wirken, seine Experimente und Erkenntnisse gibt. Im ersten Teil des Sammelbandes gibt Tobias Baumann einen kritischen Überblick über die historische Entstehungsgeschichte der Europäischen Union. Er arbeitet heraus, dass die europäische Integration nicht in erster Linie auf die Aussöhnung der europäischen Völker nach den Weltkriegen zielte, sondern die Kapitalinteressen, zunächst von Deutschlands und Frankreichs Chemie- und Schwerindustrie zur Grundlage hatte. Im weiteren beschreibt Zbigniew Marcin Kowalewski die Situation polnischer Arbeiter im gegenwärtigen Kapitalismus. Er zeigt, dass obwohl der Neoliberalismus in Polen delegitimiert ist und Polen somit das schwächste Glied innerhalb der Europäischen Union darstellt, die Delegitimierung linker oder gewerkschaftlicher Kräfte in Polen noch größer ist. Aus diesem Grund ist es für Polens Arbeitnehmervertreter schwieriger als in anderen europäischen Staaten, Tarifverträge auszuhandeln. An diesem Problem anknüpfend stellt Daniel Kryś die gegenwärtige Situation der polnischen Linken dar. Mit ihrem mit den Demokraten geschmiedeten Mitte-Links-Bündnis konnten sie kein für Polen erfolgreiches politisches Projekt auf den Weg bringen; um als Linke in einem solchen Bündnis bestehen zu können, wäre eine authentische linke Programmatik ebenso notwendig gewesen wie eine deutliche Abgrenzung vom Neoliberalismus. Im zweiten Teil des Bandes wird die Rolle der Gewerkschaften in Polen und Estland in den Transformationsprozessen dargestellt. Darüber hinaus wird – als Besonderheit des polnischen Staates – die Rolle der katholischen Kirche in ihrem Spannungsverhältnis von sozialistischem Staat und demokratischer Opposition analysiert. René Lenz arbeitet die Veränderung der Rolle der polnischen Gewerkschaften in Polen von einer das sozialistische System Polens und Osteuropas zu Fall bringen Gdańsk den Massenbewegung zu einer politischen Interessenvertretung heraus, die im aktuellen politischen System Polens nur noch geringen Einfluss hat. Im Vergleich dazu zeigt Jane Angerjärv in ihrem Aufsatz, dass die EUOsterweiterung zwar einige wirtschaftliche und soziale Verbesserungen in Estland nach sich gezogen hat, dass jedoch auch hier die Stärkung der Gewerkschaften ausgeblieben ist. Gemäß der besonderen Rolle der katholischen Kirche im polnischen Staat beschreibt Antje Liebau in Ihrem Beitrag, wie sich die die Kirche während den Jahren der Volksrepublik Polen von einer geschwächten Gegenelite in den ersten Jahren zu einem intermediären Verband entwickelte, der zwischen sozialistischer Machtelite und demokratischer Opposition agierte. In einem dritten Teil des Bandes werden spezifische Fragen/Probleme Polens und anderer Staaten thematisiert. Hier beschreibt Piotr Szumlewicz das dramatische Problem der Massenarbeitslosigkeit in Polen nach 1989, das in Polen im Vergleich zu den anderen Transformationsstaaten Mittel- und Osteuropas wesentlich größere Dimensionen einnimmt. Besonders von Arbeitslosigkeit und Armut sind die polnischen Frauen betroffen; ihrer Situation seit 1989 spürt Lukasz Cholewa in seinem Aufsatz nach. Er macht deutlich, dass es auch kein Bewusstsein für die schlechte soziale Lage von Frauen und Kindern gibt und dass das Probleme von Armut und Gewalt weitgehend ausgeblendet werden. Auf eine ganz andere Thematik macht Maria Antonova aufmerksam; sie beschreibt, wie die Rindfleischproduktion Russlands in den Jahren der Transformation nach 1989 zurückgegangen ist und welche Auswirkungen diese für die Agrarpolitik Russlands hat. Ergänzt werden diese Beiträge der Autor/innen durch Berichte von Stipendiat/innen der Rosa Luxemburg Stiftung von den Exkursionen im Rahmen des Workshops. So beschreibt Marcel Noack sehr anschaulich die Erkundungen in Gdańsk sowie seine Empfindungen während der Exkursion zur „Westerplatte“. Und Viola Prüschenks Beschreibung des zweiten Exkursionstages ist das Wechselbad der Empfindungen angesichts des Kontrastprogramms: Wirkungsstätte Kopernikus’ in Frombork und Führung durch das KZ Stutthof deutlich nachzuempfinden. Katrin Schäfgen März 2007


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