Kernwaffenrelevante Materialien und Präventive Rüstungskontrolle : Uranfreie Brennstoffe zur Plutoniumbeseitigung und Spallationsneutronenquellen

Liebert, Wolfgang ; Englert, Matthias ; Pistner, Christoph

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URL http://edoc.vifapol.de/opus/volltexte/2010/2140/
Dokumentart: Bericht / Forschungsbericht / Abhandlung
Institut: DSF - Deutsche Stiftung Friedensforschung
Schriftenreihe: Forschung // DSF / Deutsche Stiftung Friedensforschung
Bandnummer: 20
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 26.10.2010
Originalveröffentlichung: http://www.bundesstiftung-friedensforschung.de/pdf-docs/berichtliebert.pdf (2009)
DDC-Sachgruppe: Politik
BK - Basisklassifikation: 89.76 (Friedensforschung, Konfliktforschung), 89.87 (Waffen, Kampfmittel), 89.90 (Außenpolitik, Internationale Politik), 89.77 (Rüstungspolitik), 52.55 (Kerntechnik, Reaktortechnik), 50.91 (Wehrtechnik)
Sondersammelgebiete: 3.6 Politik und Friedensforschung

Kurzfassung auf Deutsch:

Die wesentliche technische Hürde für den Zugriff auf Kernwaffen ist heute der Zugang zu ausreichenden Mengen an kernwaffenrelevanten Nuklearmaterialien. Dabei handelt es sich vorrangig um Spaltstoffe (wie hochangereichertes Uran und Plutonium) aber auch um das fusionsfähige Material Tritium. Diese können als Brennstoffe in zivilen Nuklearprogrammen aber ebenso in Kernwaffenprogrammen genutzt werden. Um nukleare Proliferation (die Verbreitung von Kernwaffen) zu verhindern bzw. zu erschweren, bedarf es also nicht allein der Analyse offener oder verdeckter politischer Zielsetzungen und Absichten. Entscheidender ist ebenso die Analyse der intrinsischen zivil-militärischen Ambivalenz von nuklearen Materialien und von Technologien, die zu sensitiver Materialproduktion geeignet sind. Für eine weitsichtige Strategie zur Vermeidung von Proliferationsgefahren sollte den technischen Möglichkeiten („capabilities“) weit mehr Beachtung geschenkt werden, als dies bislang in der politischen Debatte über nukleare Nichtverbreitung geschieht. Denn wenn technische Optionen einem Staat einmal zur Verfügung stehen, ist es extrem schwierig und langwierig, dies wieder rückgängig zu machen. Die Gefahren, auf die reagiert werden muss, gehen von bereits vorliegenden Beständen kernwaffenrelevanter Materialien – sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich – sowie von bereits existierenden oder zukünftigen Technologien aus, die zur Produktion entsprechender Materialien geeignet sind (vgl. Infos 1 und 2). Der übergreifende Ansatz des Projekts besteht daher in der Bemühung um eine drastische Reduzierung der Zugriffsmöglichkeit auf kernwaffenrelevante Materialien unter Einschluss ihrer Produktionsmöglichkeit. Einerseits kann so der nuklearen Proliferation durch Staaten wirksamer begegnet werden, andererseits kann durch diesen Ansatz auch eine entscheidende Hürde gegen den Zugriff substaatlicher Gruppen und Terroristen auf Kernwaffen aufgebaut werden. Safeguards der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) und weitere physische Schutzmaßnahmen bleiben dabei unverzichtbare Elemente der Rüstungskontrolle. Aber es muss bedacht werden, dass sie das Ziel der nuklearen Nichtverbreitung letztlich nicht erreichen und sicherstellen können und dass mit diesem Ansatz die nukleare Ambivalenzproblematik nicht grundlegend angegangen werden kann. Daher wird in dieser Untersuchung über Safeguards hinaus gedacht und es werden weiter gehende Möglichkeiten der Präventiven Rüstungskontrolle und des Konzeptes der Proliferationsresistenz eruiert. Frühzeitig und mit vorbeugender Absicht müssen geeignete Maßnahmen entwickelt und dann auch umgesetzt werden, die möglichst effektiv dem Ziel nuklearer Nichtverbreitung (d. i. Nichtweiterverbreitung und Abrüstung) dienen. Insbesondere werden drei Ansätze als Teil einer Konzeption präventiver Rüstungskontrolle im Nuklearbereich an Hand technologischer Beispiele diskutiert: die Beseitigung von Waffenstoffen, die Antizipation von technologisch bedingten Proliferationsrisiken und die Verbesserung der Proliferationsresistenz. Der Beseitigungsansatz hat große Bedeutung für die Anstrengung, die Abrüstung irreversibel zu machen. Nukleare Abrüstung ohne Beseitigung der kernwaffenrelevanten Materialien, bei der diese Waffenstoffe zumindest in eine proliferationsresistentere Form überführt werden, bleibt unvollständig und letztlich nicht überzeugend. Diese Notwendigkeit besteht auch in Staaten, die aufgrund ihres Zugriffs auf eine ausreichende Menge und Qualität kernwaffenrelevanter Materialien im Prinzip kernwaffenfähig sind. Die systematische Bemühung um eine Antizipation von heute bereits absehbaren Gefährdungen durch nukleare Technologien ist aufgrund der wissenschaftlich-technologischen Dynamik notwendiger denn je. Werden neue Gefährdungspotentiale ausreichend früh erkannt, besteht noch die Möglichkeit, auf die technologische Entwicklung selbst einzuwirken. Dies führt konsequenter Weise zum Konzept der Proliferationsresistenz. Beim Ansatz der Proliferationsresistenz sollen technisch-intrinsische Möglichkeiten für die Gestaltung von nuklearen Technologien und Anlagen oder für die physikalische Umwandlung von Waffenstoffen genutzt werden, um eine möglichst große Hürde gegenüber dem denkbaren militärischen Gebrauch zu gewährleisten. Das Projekt fokussiert auf zwei hochrelevante Problemstellungen im Bereich nuklearer Nichtverbreitung, die im direkten Zusammenhang mit der zentralen Rolle kernwaffenrelevanter Materialien stehen, und versucht dabei, Lösungsansätze auf der technologischen Ebene aufzuzeigen.


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