Eine unheilige Allianz : Das Schweizer Bürgerrecht zwischen kommunaler Rechtstradition, bundesstaatlichem Laisser-faire und ethnisch-nationaler Fremdenabwehr 1848-1933

An Unholy Alliance : Swiss Citizenship between Local Legal Tradition, Federal Laissez-Faire, and Ethno-National Rejection of Foreigners 1948 - 1933

Argast, Regula

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URL http://edoc.vifapol.de/opus/volltexte/2011/2864/
Dokumentart: Bericht / Forschungsbericht / Abhandlung
Institut: WZB Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Schriftenreihe: Veröffentlichungsreihe der Forschungsgruppe Zivilgesellschaft, Citizenship und Politische Mobilisierung in Europa, Schwerpunkt Zivilgesellschaft, Konflikte und Demokratie, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung : discussion paper
Bandnummer: 2009,401
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 17.02.2011
Originalveröffentlichung: http://bibliothek.wzb.eu/pdf/2009/iv09-401.pdf (2009)
SWD-Schlagwörter: Schweiz , Bürgerrecht , Geschichte 1848-1933 , Online-Publikation
DDC-Sachgruppe: Politik
BK - Basisklassifikation: 89.31 (Staatslehre), 89.22 (Nationalismus), 15.60 (Schweiz, Österreich-Ungarn, Österreich)
Sondersammelgebiete: 3.6 Politik und Friedensforschung

Kurzfassung auf Deutsch:

Der Beitrag zeichnet die Entwicklung des föderalistischen Schweizer Bürgerrechts zwischen der Bundesstaatsgründung im Jahr 1848 und der Verankerung einer restriktiven Einbürgerungs- und Niederlassungspolitik in der Zwischenkriegszeit nach. Ausgehend von der schwierigen staatsbürgerlichen Integration der ausländischen Wohnbevölkerung in Geschichte und Gegenwart der Schweiz fragt die Autorin nach den Ursachen für die Gewährung und Verweigerung des Schweizer Bürgerrechts. Dabei wird deutlich, dass sich die Entwicklung und Ausprägung des Zugangs zum Schweizer Bürgerrecht nicht allein auf Vorstellungen von der schweizerischen Nation oder auf staatliche Interessen reduzieren lassen. Vielmehr waren sie Ergebnis eines permanenten politischen Aushandlungs- und Koordinationsprozesses zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden: Das Gemeindebürgerrecht bildete aufgrund seiner armenrechtlichen Bedeutung bis weit ins 20. Jahrhundert hinein das Nadelöhr für Einbürgerungen. Im Gegensatz dazu versuchten der Bund und einzelne Kantone wie Zürich, Basel und Genf die seit den 1880er Jahren stark angestiegene Zahl der ausländischen Wohnbevölkerung durch die Liberalisierung der Einbürgerung zu verringern. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs setzte diesen Bestrebungen ein Ende. Im Zuge des Aufstiegs einer »neuen Rechten« seit 1900, der Gründung der Eidgenössischen Fremdenpolizei im Jahr 1917 und der Institutionalisierung der behördlichen »Überfremdungsbekämpfung« wurde das schweizerische Staatsangehörigkeitsrecht nachträglich ethnisiert. Die kulturelle »Assimilation« an die »schweizerische Eigenart« galt nun als Voraussetzung dafür, um Schweizer Bürger zu werden. Dabei verband sich die neue bundesstaatliche Fremdenabwehr mit der traditionell restriktiven Politik der Gemeinden, eine unheilige Allianz, die erst in den 1980er Jahren aufzubrechen begann.

Kurzfassung auf Englisch:

The article traces the development of the federal structure of Swiss citizenship between the founding of the federal state in 1948 and the entrenchment of a restrictive naturalisation and establishment policy in the interwar period. Considering the difficult integration of the foreign residents through naturalisation in the past and present in Switzerland, the author examines the causes for the granting and refusal of Swiss citizenship. She shows that the development of and arrangements for access to Swiss citizenship cannot be reduced only to notions about the Swiss nation or national interests. They are the result of a permanent process of political negotiation and coordination between the federation, cantons, and local authorities: owing to its importance in social assistance matters, local citizenship constituted an impediment to naturalisation until well into the 20th century. In contrast, the federation and certain cantons like Zurich, Basle, and Geneva had sought since the 1880s to reduce the strongly increasing number of foreign residents by liberalising naturalisation. The outbreak of the Second World War put an end to these endeavours. With the rise of a “new right” since 1900, the setting up of the Central Office of the Police for Foreigners in 1917, and the institutionalisation of the authorities’ “fight against foreign infiltration,” Swiss nationality law became ethnicized. Cultural “assimilation” into the “particularity of Swiss society” was now regarded as a precondition for becoming a Swiss citizen. The new federal rejection of foreigners thus joined with the traditionally restrictive policy of local authorities in an unholy alliance that began to breach only in the 1980s.


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