Rosa Luxemburg, die Patin des Terrors?

Schütrumpf, Jörn

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URL http://edoc.vifapol.de/opus/volltexte/2009/905/
Dokumentart: Bericht / Forschungsbericht / Abhandlung
Institut: Rosa-Luxemburg-Stiftung
Schriftenreihe: Standpunkte
Bandnummer: 2007,04
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 16.03.2009
DDC-Sachgruppe: Politik
BK - Basisklassifikation: 89.58 (Politische Gewalt)
Sondersammelgebiete: 3.6 Politik und Friedensforschung

Kurzfassung auf Deutsch:

Für den Geburtstag von Rosa Luxemburg am 5. März 2007 hatte ein Lehrer aus einer Berliner Schule ein Seminar für seine Schüler bestellt: »Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenken.« Doch sechs Tage zuvor stornierte er seine Order. War doch die 1919 von Terroristen Gemeuchelte von etlichen Medien unterdessen in der Nähe der Roten Armee Fraktion ausgemacht worden: Die »junge Welt« hatte ein Grußschreiben Christian Klars veröffentlicht, das auf der »Rosa-Luxemburg-Konferenz«, die die Redaktion dieser Zeitung alljährlich im Januar veranstaltet, verlesen worden war. Am gleichen Mittwoch schlug an einer anderen Berliner Schule ein Mädchen als Thema seiner Hausarbeit die Novemberrevolution vor. Der arme Erzieher war in höchster Not. Über die Revolution, also über die RAF, werde er keine Arbeit betreuen – so seine Antwort. Beide Lehrer haben die Bewährungsprobe bestanden. Immer auf Linie, immer bereit – nirgends anzuecken. Rosa Luxemburg hatte zu Lebzeiten nie viele Freunde, aber mehr als genug Feinde – in allen Lagern. Dafür hat sie bezahlt. Gustav Noske (SPD) erklärte sich einverstanden mit ihrer Meuchelung. Ihre Mörder, (r)echte deutsche Männer in Uniform, feierten sich nach ihrer Heldentat. Eine Spitzenpolitikerin der KPD, für die Rosa Luxemburgs Auffassungen die Syphillis in der Abeiterbewegung bedeuteten, machte unter dem Gejohle ihrer »revolutionären Anhänger« auf dem Grab der Hingeschlachteten unter sich. Und Josef Stalin (KPdSU [B]) fand 1931 sogar den Mut, in dieses noch nicht zerstörte Grab zu spucken: Halbmenschewistisch sei die Polin gewesen; darauf stand in seinem Regime mindestens die Verwandlung in Lagerstaub. In den vergangenen Jahrzehnten aber hatte Rosa Luxemburg fast nur noch »Freunde« – zuerst in dem rechtskonservativen Milieu, in dem Jahrzehnte lang ihre Mörder geschützt worden waren, nach 1989 dann auch unter den Entmachteten, denen nichtsdestoweniger auch heute noch am Stammtisch Stalins Luxemburgismus-Verdikte aus dem Munde quellen. Von der ersten Gruppe falscher Freunde ist Rosa Luxemburg nun befreit. Die Stichwortgeberin der friedlichen Revolution von 1989 wird an den Terror herangerückt. Alles, was an Veränderung der Gesellschaft erinnern könnte, gehört schließlich stigmatisiert. Doch taugt Rosa Luxemburg wirklich zur geistigen Patin der RAF? Wohl ungefähr so viel, wie ihre Auffassungen die Herrschaft Walter Ulbrichts legitimierten: gar nicht.


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